Dossier: Werden Rohstoffe für Akkus knapp?

4. Oktober 2007


Risikofaktor Nickelpreis

Die vergangenen 12 Monate haben der Akku- und Batterie-Branche einen gewaltigen Schock versetzt, denn plötzliche enorme Preissprünge auf dem Rohstoffmarkt ließen sowohl Preiskalkulationen als auch Preismodelle wackeln, und Lieferengpässe zwangen manchen Zellenhersteller, sogar ganze Produktionslinien einzustellen. Beispielsweise explodierte der Preis für Nickel von 33 USD/kg im Januar 2007 auf knapp 55 USD im Mai und fiel dann im August wieder bis auf 27 USD ab. Noch im Januar 2006 hatte der Nickelpreis - bis dahin seit Jahren recht stabil - bei 11 USD gelegen.


Nickel: 5-Jahres-Chart


Andere Metalle, die ebenfalls in der Produktion von Batterien bedeutende Rollen spielen, beispielsweise Kobalt und Blei, machten ähnliche Preisturbulenzen durch.

Die Gründe für diese Entwicklungen waren vielfältig und verstärkten sich gegenseitig. Beispielsweise zog einerseits die Rohstoffnachfrage aus den boomenden Märkten Indien und China enorm an, andererseits waren Metalle und Edelmetalle aufgrund schwindenden Vertrauens in den US-Dollar bei Spekulanten beliebt. Besonders spannend war angesichts der Entwicklungen jedoch die Frage, ob auch - wie etwa bei Rohöl - eine Verknappung der Weltreserven sich in den Preisbewegungen widerspiegelte.


(Bedingt) ausreichende Ressourcen

Gemäß einer im Januar veröffentlichten Studie des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BWMi) ist dies jedoch nicht der Fall; ihr zufolge drohen lediglich bei den in der Elektronik bedeutsamen Metallen Germanium und Indium in der kommenden Dekade ernste Ressourcen-Engpässe, für beispielsweise Nickel seien die Welt-Ressourcen noch für beruhigende 100 Jahre ausreichend.

Einige Beispielwerte - die freilich noch nichts über die möglicherweise enormen Kosten zur Erschließung der errechneten Ressourcen aussagen:

Ressourcen
in 1.000 t

Ressourcen-Reichweite
in Jahren

Cadmium 6.000.000    319
Germanium > 500 > 6
Indium > 6.000 > 15
Kobalt 15.000    286
Kupfer > 2.300 > 158
Lithium > 13.760    681
Mangan > 5.100.000 > 545
Nickel > 140.000 > 100


Externer Link:
BWMi-Studie: Trends der Angebots- und Nachfragesituation bei mineralischen Rohstoffen



Dennoch werden die Rohstoffpreise in Zukunft kaum an Stabilität gewinnen, denn die zunehmende Zahl der Gameplayer in den globalen Märkten sowie immer schneller sich vollziehende technologische Veränderungen führen zu schwer voraussehbaren Schwankungen seitens der Nachfrage, während die Angebotsseite nur recht schwerfällig reagieren kann, da beispielweise Lieferanten oft von langfristigen Staatsverträgen abhängig sind, und die Vorlaufzeit für die Einführung neuer Gewinnungstechnologien meist mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte beträgt.


Spekulationsobjekt Lithium?

Dieses Problem könnte künftig auch einmal Lithium betreffen. Zwar sind die Welt-Ressourcen für dieses Alkalimetall noch ausreichend üppig, und die Nachfrage ist derzeit noch überschaubar klein, doch bei einer schnellen Durchsetzung von Hybridantrieben auf LiIon-Basis für Kraftfahrzeuge könnte die Lithium-Nachfrage sprunghaft ansteigen. Derzeit fällt Lithium weitgehend als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Pottasche und Borax in ausreichender Menge an. Sollte hiermit jedoch die steigende Nachfrage nicht mehr befriedigt werden können, müssten andere, möglicherweise wesentlich kostspieligere Gewinnungsmethoden für dieses leichteste aller Metalle erschlossen werden.


Siehe auch:
Bleipreis (Tages-Charts)
Kobaltpreis (Tages-Charts)
Kupferpreis (Tages-Charts)
Manganpreis (Tages-Charts)
Nickelpreis (Tages-Charts)


© Marc Stenzel




Fachartikel in der Zeitschrift 'Markt&Technik':
'Spekulationsobjekt Nickel treibt die Akku-Preise in die Höhe'



Markt&Technik, die unabhängige Wochenzeitung für Elektronik, veröffentlicht in ihrer Ausgabe Juli/07 den Artikel:


Spekulationsobjekt Nickel treibt die Akku-Preise in die Höhe

Erstmals seit Jahrzehnten steigen in der Geräte-Akku-Branche die Zellen-Preise, der Grund dafür ist vor allem in steigenden Nickel- und Kobalt-Preisen zu suchen. Gleichzeitig haben sich in den letzten Monaten die Lieferzeiten erhöht. Als interessante Alternative zu den bekannten Lithium-Kobaltoxyd-Akkus könnten sich in Zukunft Lithium-Eisenphosphat-Produkte entwickeln. ...

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Fachartikel in Markt & Technik





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